INoKami´s Gedanken zu den verschiedenen Rollen in League of Legends

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  • INoKami´s Gedanken zu den verschiedenen Rollen in League of Legends




    Dringend notwendiges Vorwort: das nachfolgende Werk ist stark von Ironie und Sarkasmus durchzogen und sollte auch mit diesem Wissen im Hinterkopf gelesen werden. Im übrigen möchte ich in keinster Art und Weise Drogen, Gewalt o.Ä. verharmlosen, verherrlichen oder dazu aufrufen und erst recht niemanden persönlich angreifen und/oder beleidigen. Wie schon gesagt: nehmt alles hier mit einer Prise Humor :)



    Sehr geehrter Leser,


    es gibt so Momente in seinem Leben, wo man sich durchaus zu Recht fragt, ob das soeben gesehene wirklich passiert ist oder ob das nur irgendwelche seltsamen Auswirkungen aus der letzten durchzechten Nacht waren. Und solche Gedanken kann man keinem verübeln, denn gelegentlich bietet einem das Zurschaugestellte so viel Kopfzerbrechen, dass man, sollte man traurigerweise nach langem Grübeln zu dem Entschluss kommen, dass es von obigen Optionen nur die erstere sein kann, sich doch lieber die zweite wünscht… oder nein, noch besser, die dritte Option: gebt mir wieder was zu trinken, das ist ja nicht zu ertragen hier!

    Solltest du, werter Leser, zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sein, dann scheinst du hier genau richtig zu sein, weil dann bist du in einer geeigneten Lage, dir diesen Text zu Gemüte zu führen*! Was du hier finden wirst, sind zunächst mal Erfahrungsberichte von einem Mann, der nun schon seit zehn Jahren an der Front ist und dort pflichtbewusst die Fahne hochhält. Und zum anderen findest du hier Wahrheiten. Ausschließlich. Denn das ist ja die Grundvoraussetzung, welche man meistern muss, bevor man League of Legends (im folgenden der Bequemlichkeit halber unter dem bekannten Pseudonym LoL abgekürzt) in vollsten Zügen genießen kann. Eine Auffrischung: man selber hat immer recht und ist der Beste in grundsätzlich allem und alle anderen Existenzen sind planlose Idioten, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen und daher deins kaputt machen wollen.

    So, nachdem wir die Grundlagen etabliert haben, schauen wir uns nun an, wie sich jeweils das Leid auf den unterschiedlichen Rollen entfaltet:


    *Anm. des Autors: Gutes Stichwort, denn dieser Text hier ist ebenfalls nur alkoholisiert zu ertragen. Das ist aber nicht meine persönliche Schuld, das liegt in der Natur der Sache.




    Der Toplaner


    Fangen wir doch am besten mal direkt mit einem der auffälligsten Wesenszüge dieser Spezies an: Toplaner sind doch irgendwo alle schizophren. In ihrem Kopf spielt sich extrem viel ab und sie bilden sich stets ein, mit einem Team auf der Kluft der Beschwörer unterwegs zu sein und diesem sogar noch nützlich zu sein, aber in der Realität sind sie in Sicherungsverwahrung auf der Toplane untergebracht und können an ganz schlimmen Tagen sogar diesen Aufziehrobot… ähm, Minions gefährlich werden! Und auch sonst gleicht das Leben eines Toplaners wie einer Therapiesitzung: man begegnet sich zunächst auf Augenhöhe, lebt für einige Minuten eine friedliche Koexistenz und unterhält sich auch mal gerne, bis dann der erste Ausrutscher passiert. Ein falsches Wort, eine falsche Geste, „Ups, da ist mir einmal die Hand ausgerutscht!“… und dann spielen sich dort für die nächsten gut 15 Minuten Szenen ab, gegen welche die Kölner Silvesternacht im Vergleich wie ein katholischer Kindergarten aus den Alpen aussieht.

    Daher leitet sich auch mein Vorhaben ab, jedem Toplaner eine Anti-Agressions-Therapie zu verschreiben. Weil entweder leisten sich diese… (kann man das überhaupt noch Menschen nennen an dem Punkt?)… Lebewesen ein Farmduell, als wäre Black Friday für Minions, oder die Türme fallen mit einer Frequenz, dass sich selbst die ISIS die Replays anschaut und Notizen macht. Na ja, könnte man an der Stelle sagen, so weit, so Alltag, und ich insbesondere nehme mir das Recht heraus, diese Aussage tätigen zu dürfen, stamme ich doch aus einem Ort mit 3 Sonderschulen, 2 Altersheimen und einer Psychatrie, a.k.a. eine 100%ige Gewinngarantie beim „Geistig-nicht-auf-Höhe-Bingo“.


    Doch wehe dem, wenn plötzlich einer der Toplaner diese Fluchtroute durch die Abwassersysteme der Kluft entdeckt und den Rest der Welt erblickt. Mit einem Schlag verliert die Gummizelle namens Toplane ihre Kontrolle über die Insassen und nennen wir´s beim Namen: einen Toplaner über den Rest der Kluft flanieren zu lassen hat ungefähr den selben Spaßgehalt wie der Auftrag, eine stark altersschwache Ju 52 mit Rost an den Klappen, mangelhaften Zündkerzen und einer Treibstoffpumpe, die nur noch durch reine Willenskraft funktioniert, auf eine Fotografietour während der Hurrikan-Sasion durch das Bermuda-Dreieck zu schicken.

    Das wirklich gefährliche daran ist ja, dass sie all dies hinter einer Fassade aus scheinbarer Nützlichkeit verstecken, denn auf dem Papier klingt ja eine bis an den Nexus durchgedrückte Lane durchaus verlockend, allerdings verflüchtigt sich die Magie spätestens dann, wenn einem bewusst wird, dass das wiederum bedeutet, dass es zum einen eine halbe Weltreise braucht, bis man wieder vollwertig auf der Lane ist und das artig dargereichte Gold einsammeln kann und zum anderen dass plötzlich das gegnerische Team um ein vielfaches mehr an Möglichkeiten erhält, dir aus einem Winkel ihrer Wahl deren Meinung zu deiner Existenz mitzuteilen. Und selbst bei einem Game, bei welchem der gegnerische Nexus auch nur durch eine Wagenladung Ducttape zusammengehalten wird, kann ich hier und jetzt mein gesamtes Kopfhaar darauf verwetten, dass der Gegner trotzdem mindestens ein Subjekt in seinen Reihen beherbergt, welches gerade frisch aus dem Fitness-Studio zurückkehrt und daher aufgepumpt ist wie eine Kinderhüpfburg, aber auch sonst grundsätzlich keine Probleme hat, dich mit einer Kelle wieder zurück ins Gefängnis zu befördern, wo du die nächste Zeit absitzen darfst und über deine Missetaten nachdenken kannst. Gehe nicht über Los. Ziehe keine 2000 Euro ein.

    Und während du natürlich keine „Komme aus dem Gefängnis frei“-Karte hast (an der Stelle Grüße an unsere DotA-Freunde mit der Buyback-Funktion. DotA>LoL change my mind), bleibt dir als einzige Ablenkung, zuzuschauen, wie besagter Toplaner wieder zurück in seiner Gummizelle ist und sich mit dem anderen Insassen mit einer Kissenschlacht unterhält, so lange, bis einer heult. Rinse and repeat.


    Auch hier erhört sich aber wieder das Gefahrenpotential exponentiell, wenn besagter Toplaner aus seinem bekannten Verhaltensmuster ausbricht und auf deiner Lane bleibt. Rationale und angemessene Reaktionen darauf sind:

    1. /muteall

    2. Ein erbarmungsloser Kampf um alles und jeden, was auf der Kluft mit einem Preisschild behaftet ist, meist resultierend in...

    3. ...das unbändige Verlangen zu verspüren, besagtem Spieler mit seiner Tastatur einen derartigen Schlag auf den Hintern zu verpassen, dass dieser steiler geht als eine Jinx bei ihrer Backport-Animation


    Aber in den meisten Fällen wäre das noch verkraftbar, aber auch nur so verkraftbar wie die Tatsache, dass die heutige Jugend bei so ziemlich jedem erdenklichen Punkt zurückstecken muss, die Mündigkeit komplett aberkannt bekommt und dennoch die gesamte Verantwortung für die Funktionalität der Wirtschaft und des Sozialwesens übernehmen muss, nein, wirklich schlimm wird es, wenn diese Spieler, von denen 90% von ihnen auch nur noch eine ADHS-Diagnose entfernt von einer Einweisung sind, ihren Konflikt auf deinem Fußboden austragen wollen. Oder noch schlimmer: wenn nur der gegnerische Toplaner Stress sucht. Das ist ein etwa so angenehm und unkompliziert wie eine Operation am offenen Gehirn mit einer Motorsäge. Zum Glück gibt es hierfür eine sehr simple Lösung: ihr müsst nur dafür sorgen, dass auf einer anderen Lane noch mehr Gold zum Einsammeln, oder noch besser, ein einsamer ADC (im Zweifel auch euer eigener) herumstreunt, schon ist die Mordmaschine auf dem Weg zu ihrer nächsten Untat, denn der gemeine Toplaner hat in etwa die Aufmerksamkeitsspanne wie ich, wenn ich versuche, von einer beliebigen Website die Nutzungsbedingungen durchzulesen.


    Auch wenn ich es gerne vermieden hätte, müssen wir noch einen relevanten Punkt ansprechen: Teamfights. Für gewöhnlich verhalten die sich dort, wie sich Michael Bay in der Filmindustrie verhält: entweder er ist schlichtweg nicht da und macht sein eigenes Ding in seiner eigenen, kleinen Welt, oder er ist anwesend und auch hier müssen wir wieder unterscheiden, denn entweder gewinnt er den Teamfight im Alleingang und jeder seine Angriffe knallt rein wie eine Ziggs-Ult (Pun intended) oder er hat ungefähr den Nützlichkeitsgrad eines verbogenen Dosenöffners in einer Wolfram-Mine fünf Kilometer unter der Erde. Leider verbirgt sich auch hier nochmal exponentiell verstärkendes Gefahrenpotential: Teleport. Oder: was passiert, wenn dem Game-Designer von LoL bei der Arbeit langweilig war, plötzlich Flashbacks davon bekommt, wie er als Kind seine Lego-Figuren sofort aus ihrem Haus zur Feuerwache teleportieren konnte und sich dann fragte, wie man das in LoL umsetzen könnte. Und es reicht ja nicht mal, dass (zumindest in High-ELO) diese Superkraft zur Vorbildfunktion wurde und es nun jeder haben will, sofern nicht wirklich zwingend ein anderer Summoner-Spell gebraucht wird (an der Stelle auch mal darüber nachdenken, wieso es immer der Nicht-Flash-Summoner ist und wieso Riot diese Meta selbst nach 12 Jahren nicht mal versuchen wollte zu ändern), trotz allem sind es irgendwie immer die Toplaner, die den Tanz mit dem TP-Vulkan wagen. Entweder sie sind euer strahlender Held in der Not oder sie towerdiven 1v3 mit 40% HP und flamen dich dann, warum du unrasierter Pavian ihm nicht geholfen hast. An der Stelle schweigt ihr einfach, denn spätestens wenn der CD abgelaufen ist, haben sie das schon längst vergessen und dann dreht sich das Teleport-Roulette wieder von neuem.


    Wenn ihr diese Punkte beachtet, ist der Toplaner eigentlich ein netter Genosse, mit dem ihr viel Zeit verbringen könnt und eine wertvolle Ergänzung für euer Team.




    Der Jungler


    Ich glaube, jeder von uns kennt doch die Situation, als er beim Amateurfußball ungedeckt mit dem Ball auf das Tor zustürmen konnte, Anime-Musik ertönt im Hintergrund, nur noch du und der der gegnerische Torwart… als plötzlich wie aus dem Nichts dein leicht übergewichtiger Mit-Stürmer dich mit ungefähr 42% Lichtgeschwindigkeit aus dem Leben rammt, den Ball klaut, das „Freitor“ einlocht und sich dafür wie den MVP feiern lässt.

    Genau solche Menschen spielen Jungle.


    Nun gut, meistens ist das ja noch in Ordnung, denn er käbbelt sich meistens in seinem Trainingslager, namentlich dem Jungle, mit den anderen Kindern um Buffs, Wards und dergleichen. Kritisch wird es nur, wenn diese Mitspieler zum berühmt-berüchtigten „Gank“ ansetzen. Ich bekomme bei diesen Momenten immer so Dresden ´45-Flashbacks, denn wenn der Jungler mal fertig ist, liegt kein Stein mehr auf dem anderen. Aber der Reihe nach:


    Das Early-Game: Ich bin ehrlich: für zwei Drittel der Jungle-Population ist das Early eine Beschäftigungstherapie, denn vor Lvl. 6 dürfen die meist noch gar nicht mitspielen, weil da selbst eine Sandkastenschaufel mehr Schaden anrichtet als sie (ist aber den meisten Junglern egal. Wäre ja auch schön, wenn mal jeder nach angedachter Strategie und nicht nach Hormongehalt spielen würde), das letzte Drittel ist da eher so im Modus Shia LeBouf und will sofort alles wegrammeln, was sich nicht am Dienstag Abend sich in einer Hütte versteckt.

    Natürlich gibt es auch hier wieder Abwandlungen vom bekannten Konzept: zum einen der Level 1-Invade. Eine beliebige Anzahl aus 6-10 Spielern, aufgeteilt in zwei Gruppen, auch bekannt als das blaue Team und das rote Team trifft sich schon noch vor den Minions im Fluss oder in einem beliebigen Jungle und wir sehen das Äquivalent einer Kindergarten-Schlägerei. Manchmal heult auch einer und muss kurz zur Erzieherin rennen, aber dann hat sich das wieder. Aber wie auch im echten Leben sind die Langzeitfolgen potentiell fatal.

    Sollte dies allerdings nicht passieren, folgt die erste größere Prügelei bei Minute 3:15, wenn die zwei laufenden Meeresfrüchte spawnen. Wird aber auch hier meist umgangen, indem man den Jungle unter sich aufteilt und erst mal auf seiner „Hälfte“ farmt. Aber wie so häufig bei unausgesprochenen Friedensverträgen ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine Partei diesen bricht, bewusst oder unbewusst und dann geht auch hier das große Spektakel los. Aber im Gegensatz zur Toplane, wo es das Ziel ist, seinem Gegenüber so sehr auf die Nerven zu gehen wie möglich, ist es dann das Ziel des Junglers, dem restlichen Team des Gegners so sehr wie möglich auf die Nerven zu gehen. Aber dazu kommen wir gleich.


    Ungefähr jetzt sollte auch der letzte Jungler endlich seine Ult erhalten haben und was dann passiert, würde man nicht mal seinem Therapeuten erzählen wollen. Und es wird auch erkennbar, aus welchem Grund, denn wer dachte, Jungler würden einem nur auf die Nerven gehen, weil sie es können, der irrt, auch wenn es für diese Theorie durchaus Belege gibt. Jungler sind gemeinhin quasi in einer permanenten Rivalität gefangen, wer besser das gegnerische Team zum Tilten bringen kann, ohne aber dabei sein eigenes zu tilten. Das ist die große Kunst hierbei, denn der gewöhnliche Wald- und Wiesenjungler spielt meist ohne Rücksicht auf Verluste. Oder Freunde. Oder Teamwork. Oder welch sonst relevanten Sachen euch noch einfallen. Um das mal etwas besser darzustellen, schauen wir uns mal einige Situationen an, die so häufig sind Angebote in einem Discounter:


    Der Gank: Ist so ein bisschen wie die Klassenarbeit eines Junglers: jeder muss diese mehrfach ablegen, in verschiedenen Situationen und Disziplinen und die Ergebnisse variieren von Kniefall des Prüfers bis hin zum Schulverweis. Der gewöhnliche Gank von der Stange kann in verschiedenen Farben und Formen auftreten… da wären zum einen der „stille Beobachter“, oder auch der „Gank mit eingezogenem Schwanz“. Welcher per Definition eigentlich auch wieder kein Gank ist, denn wie der Name schon vermuten lässt, sitzt der Jungler nur im Busch herum, schaut euch frohen Mutes bei eurem Treiben zu und verkrümelt sich dann wieder, ohne auch nur einen Hauch von einem Beitrag geleistet zu haben. Entweder das, oder er hat sich noch im Busch aus den Gräsern direkt einen fetten Dübel gedreht, in einem Zug aufgeraucht und damit auch sein Gedächtnis verdampfen lassen.

    In der nächsten Variante tut der Jungler tatsächlich auch mal was, hier variiert vor allem das Resultat seiner Aktionen: am häufigsten ist die Variante „Jumpscare ohne bleibende Schäden“, also like a wrecking ball auf die Lane donnern, alles angreifen was irgendwie böse aussieht, aber sterben tut nichts. Wenn dann mal was sterben sollte, ist es meist ein Coinflip zwischen dem Gegner, dem Teammate, den Minions oder dem Universum (lose zitiert nach A. Einstein, 1923). Doch leider endet hier das Erlebnis noch nicht, denn die meisten Ganks eines Junglers sind wie ein Erdbeben: es kommen meist direkt noch Nachbeben hinterher. Und manchmal noch ein ganzer Tsunami, denn Jungler haben eine extrem nervige Angewohnheit (ja, noch schlimmer als ihre Liebe zum Tanz auf dem Tilt-Vulkan!)… bzw. eine extrem nervige Mentalität: ihnen gehört alles. Die Lane? Gehört dem Jungler! Die Wards? Gehören dem Jungler! Die Lasthits? Gehören garantiert dem Jungler! Die Cannons? Gehören auf jeden f*cking Fall dem Jungler! Und ich schwöre euch, wenn ich nochmal einen dieser Flitzer beim Smite-Klauen meines Cannons erwische, der beliebtesten Form des „Gold-Securens“, packe ich diese Kollegen eigenhändig in mein Auto, fahre sie nach Rom zum Kolosseum und hänge dort ihre vor Ort der Länge nach aufgespießten Köpfe am Eingangstor auf. Vor allem Mains einer Rolle haben darunter zu leiden, aber dazu kommen wir noch.


    Deep Vision: Tatsächlich eine der eher seltenen Disziplinen, denn meiner Meinung nach haben bis inklusive Low Platin 80% der Mitspieler nicht mal einen Hauch einer Ahnung davon, wie wichtig Vision eigentlich ist und behandeln diese noch nachlässiger als die NPD die Demokratie. Warum also dieses Wagnis eingehen? Keine Ahnung, ist wohl ein Mix aus Herdengewohnheit und „Die da oben machen es ja auch so!“ Während diese amerikanische Vorgehensweise, einfach in fremde Territorien eindringen und diese ausspionieren (gibt sicherlich posthum Medallien dafür… glaubt mir!), sicherlich ihre Vorzüge hat, ist meine Theorie eher, dass sie weiter mehr Chaos hervorrufen wollen, denn ihr ahnt gar nicht, wie viel bei solchen Ausflügen schiefgehen kann (für anschauliche Besipiele siehe abermals Amerika). Denn in gefühlt 99% der Fälle wartet immer das halbe gegnerische Team in dem zu wardenden Busch wie auf ihre Pizza-Bestellung bei Lieferando (#notsponsored) und selbst wenn nicht… was hat es gebracht? Es ist 1. eine Zeitverschwendung, die man mit Camps clearen oder Laner tilten besser hätte nutzen können und 2. kann man dabei zuschauen, wie mal mit Glück für eine Sekunde der gegnerische Jungler auf der Minimap auftaucht und wieder verschwindet… und damit auch die Information irrelevant wird, denn man ist ja schon genügend mit seiner eigenen Lane beschäftigt, wo bleiben da noch Hirnkapazität (-> Festplattenspeicher) und Aufmerksamkeitsspanne (-> Arbeitsspeicher), um noch das Movement des Junglers mit zu berücksichtigen? Vor allem das des gegnerischen?!


    Dragon, Harald & Baron: Ich fange mal direkt mit dem positiven an: es war eine löbliche Idee von Riot, diese „Minibosse“ ins Spiel zu implementieren, denn wenn nicht, bliebe den Junglern der Nation nur mehr Ganks und das könnten die Spieler wahrlich nicht verkraften. Allerdings hat Riot Games eine Mechanik dabei nicht bedacht: sie haben unbewusst (…oder bewusst?) die Dinger so stark gemacht, dass der Jungler genug Macht bekommen hat, um stets sein Team unter Gruppenzwang zu setzen und ihnen das Gefühl zu geben, bei diesen der Hilfe verpflichtet sein zu müssen. Also finden, wenn entsprechende Genossen mal auf der Karte unterwegs sind, wieder mal Massenschlägereien zwischen den weiter oben beschriebenen Gruppen statt. Allerdings mit einem Unterschied, denn wir sind mittlerweile vorangeschritten von der Kindergarten-Rangelei zur Bronx-Gang-Standoff-Situation um Halb 3 Nachts während der Purge. Oder auch wieder nicht, weil der Jungler lieber die Toplane ganken wollte, während gerade der Elder Drake gespawnt ist und man eben noch vier rot eingerahmte Portraits auf der Botlane hat spazieren sehen. Hier zeigt sich eine auffällige Inkonstanz im Wesenszug eines Junglers: Mit- und Gegenspieler werden schikaniert wie es ihm beliebt, bei Objectives hingegen ist man oftmals diesen abgeneigt und erledigt diese auch nur unter Widerwillen und Flame des restlichen Teams. Also wird der Gruppenzwang dem Jungler zum Verhängnis…?

    Nun gut, Chaos stiftet man ja schließlich überall, aber selbst wenn wir all die oben beschriebenen Dinge ausklammert, ich habe so generell an jeden einzelnen Jungler, der mir so die letzten Jahre über den Weg gelaufen ist, eine einzige, allgemeine Frage:

    WARUM MÜSST IHR AUSNAHMSLOS JEDES EINZELNE OBJECTIVE ZU EINEM COINFLIP MACHEN IHR HIRNAKROBATEN???


    Ernsthaft, was läuft da falsch bei euch? Reicht es nicht, dass ihr schon bei den Ganks den Adrenalinspiegel eurer Mitspieler auf ein Gehalt bringt, wo die einzige Methode, diese vor einem Hirntod zu bewahren, eine Infusion mit einem Liter Reinstwasser ist? Müsst ihr unbedingt unsere Geduld bei den ausnahmsweise mal wirklich wichtigen Momenten derart auf die Probe stellen? Und selbst wenn ihr beide Fragen zustimmend beantwortet habt: habt ihr irgendwann nicht genug von dem ganzen Flame im Nachhinein, wenn es schief läuft? Klar, man kann immer lauter zurückflamen und behaupten, das Team wäre schuld und hätte den Fight nicht sauber gespielt und sowieso mal zu wenig gewardet und nicht gemovet und das Objective nicht richtig vorbereitet… und hier zeigt sich noch so ein Punkt, der auch wiederum wieder den Bogen zum Anfang dieses Kapitels spannt: Jungler wollen/müssen nie was vorbereiten, aber sie wollen dafür immer die Lorbeeren einsammeln. Und wehe dir, wenn du sie dabei behinderst.


    Außer du hast Glück und dein Jungler Gehirn. Dann gewinnt er im Alleingang Spiele für dich und dein Team. Und wenn du ganz viel Glück hast (und brav bei Daddy Riot RP gekauft hast), dann spielt der Jungler sogar so, dass du auch einen Beitrag leisten kannst und dich so fühlen lässt, als hättest du einen wertvollen Beitrag zur erfolgreichen Teamleistung geleistet. Wenn das zutrifft, sind Jungler eigentlich ganz in Ordnung.




    Der Midlaner


    „Wir sind ein langes und traditionsreiches Unternehmen (gelegentlich überfallen von seltsamen Hooligans) und suchen nach motiviertem Nachwuchs, der mit uns an vorderster Front die Spiele am Laufen hält.

    Was du haben solltest:

    • Mindestens mittelschwere Form von Masochismus
    • Bereitschaft, sich von mehreren Parteien gleichzeitig in den Hintern [zensiert]
    • Selbstwertgefühl, da von den anderen keins zu erwarten ist
    • Frustresistenz; häufig gibt es Gelegenheiten, welche einfach, wie man in der Fachsprache sagt, „doomed“ sind
    • Genug Skill, um die Games (und insbesondere die Teammates) 1v9 zu tragen und genug Ausdauer, um dies auch regelmäßig durchführen zu können
    • Die Fähigkeit, nicht nur bei eigenem Versagen, sondern auch beim Versagen der Teammates die Schuld auf sich zu laden und für adäquaten Ausgleich zu sorgen


    Was wir bieten:

    • Ein breitgefächertes Team aus allen Bereichen des Lebens, welches dir spannende Erfahrungen ermöglicht
    • Ein erholsames Fleckchen Erde mitten in der freien, unberührten Natur mit einem traumhaften Fluss direkt in der Nähe und lebendiger Fauna
    • Flexible Arbeitszeiten und -situationen, jeder Tag bietet Abwechslung und interessante Herausforderungen!
    • Mitbestimmungsrecht über die Lasthits auf deiner dir zugewiesenen Parzelle Land, manchmal sogar alleiniges Anrecht!
    • Teammates, welche deine Existenz und Grundrechte auch nur mit vorgehaltener und geladener Schusswaffe anerkennen würden
    • Regelmäßige Außeneinsätze bei unterschiedlich gewaltbereiten Kunden
    • Gelegentliche Beratungsgespräche mit ausgebildetem Fachpersonal über persönliche Lebensgeschichten, z.B. Familienstammbäume, Krebsdiagnostik, Nebenerwerbsmöglichkeiten&-informationen…


    Finden sie sich in dieser Beschreibung wieder? Dann melden sie sich sofort bei uns für die Fachabteilung Midlane unter 0600-666 662 oder unter http://www.midlaners.com/karriere mit ihrem frühestmöglichen Eintrittstermin sowie ihrer Gehaltsvorstellung und vielleicht werden auch sie bald Teil unseres ruhmreichen Unternehmens werden!


    Heil Faker!“


    Und als ich den Aushang so vor etwa zehn Jahren gelesen habe, wusste ich sofort: das ist mein Traumjob!


    Der Midlaner. Das Mädchen für alles. Küchenhilfe, Reinigungskraft, Kinderbetreuerin, Gartenpflegerin… you name it. Und dann muss man sich noch vom Rest dumm anmachen lassen, wenn es ihnen gerade nicht in den Kram passt und es mit einem Lächeln aushalten. Wer Midlane spielt, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch der Sub in seiner jw. RL-Beziehung. Midlaner buckeln für ihr Team noch härter als der deutsche Staat, wenn er sich wieder mit Nazi-Vorwürfen (egal ob begründet oder unbegründet) konfrontiert sieht. Midlaner sind die spiel-gewordene Inkarnation von Britney Spears: durchaus mit Talent versehen, aber permanent unter Leistungsdruck und null Selbstbestimmungsrecht über das eigene Leben (...was soll das heißen, das hat sich bei Britney geändert? Jetzt ist ja der ganze Vergleich hinfällig Herrgottnocheins!). Der aufmerksame Leser wird sich wohl spätestens an dieser Stelle zu Recht fragen, warum man denn freiwillig so eine Rolle spielen würde. Nun, zum einen: irgendwer muss es ja tun. Aber zum anderen vergisst man eben gerne, wie stark so eine masochistische Ausprägung die Gedanken eines Individuums bestimmen kann. Denn insgeheim genießen Midlaner dies. Natürlich würden sie das niemals öffentlich zugeben und sie verstecken ihre Gefühle meist hinter eine Wand aus Flame, meist über irgendwelchen unbalanced Champions. Der Fairness halber muss man aber auch erwähnen, dass solche überdurchschnittlich häufig auf der Midlane zu finden sind und spätestens dann, wenn man diese Champs mal selber spielt, kommen da manchmal einige Dinge im Gehirn durcheinander. Oder ergänzen sich und dann gibt es kein Halten mehr.

    Aber hier liegt auch ein Problem, mit dem sich ein Midlaner häufig konfrontiert sieht. Ich nenne es die INo´sche Hirnschadenshyperbel (kurz HSH). Denn ein jeder Midlane-Champion ist in seiner Essenz darauf designt worden, seinem Nutzer Schäden zuzufügen, meist psychischer Art, das Ausmaß dieser Schäden bzw. ihre Schwere im Verhältnis zur Spieldauer wird auf der HSH modelliert. Die Kunst hierbei ist es, genau den Punkt für eine gegebene Situation X zu finden, an welchem die Schmerzen noch gerade so aushaltbar sind, aber das Game so lange wie möglich dauert. Denn im Kopf eines Midlaners hält er sich stets die Gleichung Gametime=Siegeschance vor Augen. Umso höher die Gametime, desto höher auch die Siegeschancen. Und in ihrem eigenen, kleinen Mikrokosmos, bei dem selbst Twitter-Bubbles vor Neid platzen würden (*ba dum tss*), hätten sie sogar recht.


    Doch leider gibt es da immer noch die externen Einflüsse.


    Der Haupt-Tatverdächtige ist, wer hätte es gedacht, der Jungler. Man muss nur mal folgende Aspekte visualisieren: zwei schon von Natur aus schlecht designte Champs (im Sinne der HSH), nur gesellt sich jetzt noch zu der Gleichung ein Spieler, der zum einem mit seiner Habgier die inneren Triebe des (eigenen, selten auch des gegnerischen) Midlaners befriedigt, zum anderen verursacht dieser mit seinen Taten allerdings eine dem (eigenen, selten auch des gegnerischen) Midlaner nicht gewogene Verschiebung der HSH. In der Theorie eine sogar denkbar günstige Paarung, der ressourcenhungrige Jungler und auf der anderen Seite der von Natur aus (gezwungenermaßen) großzügige Midlaner, in der Praxis spielt sich das leider nicht so optimal aus, denn Midlaner meinen stur bis heute, ein Selbstbestimmungsrecht haben zu dürfen. Welch ein Frevel! Wenn dir also dieser selbst für Hartz4-Standards unterbezahlte Heini wieder mal „deine“ Minions auf der Mitte klaut, flame ihn nach Herzenslust, flashe und/oder ulte ihn auch mal an, dann sollte die Pappnase wieder seinen Platz gelernt haben und das Spiel kann wie gewohnt weitergehen.

    Doch nicht nur Jungler kümmern sich mit auffälliger Bereitschaft um das Wohlergehen eines Midlaners, ganz dicht folgt ihnen da die suspekte Gruppe der ADC´s (zu denen kommen wir gleich).

    Was lernen wir also daraus? Die Midlane ist eigentlich nur eine Alibi-Lane, die von den zwei Komikern warmgehalten werden muss, bis mal eine der „richtigen“ Rollen vorbeischaut und dort dann das Spielgeschehen nach deren Gedanken zu verlaufen hat.


    Weiterhin hat auch noch der Midlaner die Aufgabe eines Aushilfsjunglers zu erfüllen. Gemeinhin zankt er sich immer mit dem Supporter darum, wer nun die unglücksselige Aufgabe erhält, i.d.R. mit dem Ergebnis dass sie sich nicht einigen können und es beide machen müssen. Das Problem ist nur: wenn sich euer Farmbot endlich mal auf eure Lane bewegt, meint er leider auch, damit ein Anrecht auf den Kill haben zu dürfen. Erinnere ihn mit Spampings oder direkt im Chat, dass er das doch zu unterlassen hat, sofern noch Interesse an einer weiteren Kooperation innerhalb dieses Spiels besteht. Außerdem ist es natürlich die hochheilige Pflicht eines Midlaners, ebenfalls das Movement seines Gegners zu tracken, auch dann noch, wenn dieser vor 2 Minuten Base gegangen ist und sich seitdem in einem beliebigen Teil der Karte noch entfernter vom nächsten verbündeten Ward als Donald Trump sich von gesundem Menschenverstand aufhält. Wenn also trotz dieser Sisyphusaufgabe plötzlich dennoch der gegnerische Midlaner bei dir auftaucht und dich mit Schwung zurück in die heimischen Fontäne befördert, gehört deinem selbstverständlich ein verbaler Einlauf verpasst. Hier ein kleiner Geheimtipp von mir, wie dies am besten auszuführen ist: „kys stuppid fgt mid“ und ragequitten. Wirkt Wunder. Glaubt mir.


    So, nachdem wir uns nun all dies zu Gemüte geführt haben, bleibt wahrscheinlich zum Schluss eine einzige Frage übrig: Wie ist das alles mit dem Leistungsdruck, dem sich Midlaner stets ausgesetzt sehen, vereinbar? Simple Antwort: Gar nicht. Interessiert ja auch keinen, solange man noch seinen persönlichen Sandsack auf der Mitte rumhampeln hat :)




    Der ADC


    Ganz schwieriges Kapitel, meine Freunde.

    ADC´s sind so ein bisschen wie das amerikanische Militär: entweder sie sind die ruhmreichen Helden, wie man sie aus den Geschichten kennt, welche euch vom Übel der Welt befreien, für Recht und Ordnung sorgen und dafür zu Recht zelebriert werden, oder sie haben einen Ruf, bei welchem sogar Activision Blizzard wie das Paradies aussieht. Und man kennt´s: ein guter ADC hat ungefähr den selben Seltenheitsgrad wie ein vierblättriges Albino-Kleeblatt in der Sahara. Dabei ist ihr Job denkbar einfach: schieß auf alles, was keinen grünen Lebensbalken hat (gut, zugegeben hapert es hier schon häufig) entweder bis du nicht mehr kannst oder bis nix mehr zum Schießen da ist. In dieser Hinsicht ähneln sie den Toplaner und es gibt noch weitere Ähnlichkeiten, aber alles zu seiner Zeit. Gemeinhin haben ADC´s zwei Zahlen, die wichtig sind, also mit welchen sie gerne ihre internen Schw*nzverlgeiche austragen: CS (nein, nicht Counter Strike) und KDA (nein, nicht die Band). Warum es so wichtig war, die Paragraphen in den Klammern zu erwähnen? Nun, es sind keine Zahlen, ja, aber selbst hier herrscht eine große Verwechslungsgefahr. Und das soll die Überleitung zum Kerndilemma des ADC´s werden: ihre auffallend große Tendenz, Dinge zu verwechseln.


    Das fängt ja meistens schon beim Decision-Making an. Nehmen wir mal als Beispiel einen Drake-Fight: Es ist ein üblicher Kampf wie immer, Szenen wie aus Kill Bill geschehen in kürzesten Zeitabständen, alles stirbt, Drake geht wie immer an die Gegner, 3 Minuten später meldet sich aber der Möchtegern-Robin Hood zu Wort, warum denn die Gegner den Drake haben, er selber hätte ja schließlich 3 oder 4 Drakes erlegt. Kurze Gedankenstille, bei welchem man selbst die berüchtigten Lämmer ein Metal-Konzert feiern hören könnte, wo man sich fragt, woher denn diese absurde Behauptung kommen würde, alleine schon, weil das Scoreboard eine andere Geschichte erzählt, aber vor allem deswegen, weil der ADC erst gar nicht beim Fight dabei war und weiter Botlane gefarmt hat, doch nach Minuten, nach welchen man diesen Hirnausfall fast wieder vergessen hat und schön brav auf seiner Lane fleißig Minion-Genozid betreibt, fällt es plötzlich wie Schuppen von den Augen: der ADC hatte recht! Er hat ganze vier Drakes solo erlegt! Nicht mal gelogen!

    Nur waren es halt die Türmchen von Dragon Trainer Heimerdinger.

    Dieses kleine Beispiel soll nur einmal verdeutlichen, wie in etwa die Denkprozesse eines ADC´s ablaufen. Aber ich kann euch beruhigen, das ist kein Einzelfall!

    Nur in diesem Fall haben wir einen Anfall von Inkompetenz beobachtet, welcher rein innerhalb des Spiels verlief. Spaß kommt erst dann auf, wenn Gefühle und Emotionen dazu fließen und den ADC in seiner Entscheidungsfindung beeinträchtigen. Wenig überraschend ist dies häufig in Interaktionen mit seinem Supporter zu sehen. Gut, dann wiederum auch nicht, weil ADC´s i.d.R. ihre Supporter in Fights härter verkaufen als die gesamtchinesische Wirtschaft 1 Euro-Artikel an den Westen. Aber darin liegt ja auch irgendwo die Magie der Botlane: das Zweiergespann, das sich entweder bis auf´s Blut hasst oder Situationen hervorruft, welche selbst ein BDSM-Camgirl wie eine erzkonservative Muslimin aussehen lassen (lang leben all die UwU E-Girls). Auch hier könnte man das Argument des Verwechselns anbringen, aber heben wir uns das für wichtigere Situationen auf. Etwa den regelmäßigen Skirmishes auf der Lane. Die rufen bei mir ja generell schon so WWI-Vibes mit ihren Grabenkämpfen hervor: man wartet ruhig ab, geht seinem Tagesgeschäft nach, bis dann die Trillerpfeife ertönt, weil jemand mal wieder über die Grenze marschiert ist, kurze Prügelei und dann versteckt man sich wieder in seinen Gräben. Und das so lange, bis die Artillerie in Form von Mitspielern eintrifft oder man in ein anderes Kriegsgebiet versetzt wird. Problem hierbei ist nur, wenn ADC und Supporter unterschiedliche Visionen dieser Grenze haben und entsprechend feindselig reagieren, meist sehr zum Leidwesen des jeweils anderen Spielers. Und da fangen wir erst gar nicht damit an, wie solche Konzepte in Teamfights funktionieren (sollten). Das schönste dabei sind ja immer die Nachwirkungen: entweder sofortiger Anfall von Alzheimer, „ich glaube, es ist besser für uns, wenn wir mal eine Weile getrennt leben“ oder Wortgefechte von einem Ausmaß, wo ich mir sofort Trump´s Tweets zurückwünschen würde (physische Auseinandersetzungen gehen zum Glück noch nicht^^). Ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass in 80% der Fälle die gewaltsamen Aktionen vom ADC ausgehen? Ne? Dachte ich mir.


    Doch wer dachte, meine Aufzählung wäre hier schon zu Ende, der hat sich so sehr getäuscht wie die ganzen 2019-Memes, die behaupteten, dass 2020 nur besser werden könne als 2019. Denn ADC´s haben nicht nur eine sagenhaft schlechte Entscheidungsfindung, nein, sie leiden auch an einem immensen Mangel an Flexibilität. Und auch hier habe ich selbstverständlich Beispiele parat, was denkt ihr denn, wer ich bin? Etwa ein Hardstuck Silber-Pleb mit einer auffälligen Liebe zu Galio? Tja, das hättet ihr gerne so!

    Ähem, zurück zum Thema.

    Zum einen wäre da natürlich die erste und einzige Gemeinsamkeit der ADC´s zu nennen: ihre Builds. Fangen wir da mal zuerst bei den Runen an: diese sind per Gesetz gelb oder rot. Ende der Diskussion. Wenn da mal jemand als MF oder Jhin mit Komet unterwegs ist, ist das schon halbe Gotteslästerung und jeder, der mit First Strike rumläuft ist ja grundsätzlich schon mal ein Satanist. Ja, da gilt auch für Ezreal-Spieler. Aber ebenfalls strikt ist die Anordnung der „Baby-Runen“: Triumph ist indiskutabel, ebenso Legend: Alacrity (weil mit der APM flexen ist ist bekanntlich besser als Lifesteal), bei Slot 3 merkt man eh nie den Bonusschaden. Bei den roten ist die erste Rune tatsächlich die einzige, wo Variation zugelassen wird, ansonsten Eyeball Collection und Ultimate Hunter. Wenn nicht, /ff15. Ist diese simple Natur der ADC´s nicht irgendwie faszinierend? Einem ADC geht es ja schließlich auch nur um zwei Dinge: Erstens Schaden, zweitens bitte so viel wie möglich davon. Entsprechend eingeschränkt ist man auch bei der Wahl seiner Items: Kraken Slayer wird fast immer gebaut, weil mehr Schaden = gut, was sollen bitte situationsspezifische Items sein (hier nochmal die Tendenz zur Verwechslung)? Dann sowieso immer Collector und Infinity Edge und auch nur in dieser Reihenfolge und ab hier könnte man tatsächlich die Denkleistung eines ADC´s sehen, wären nicht 99% aller Spiele an dem Punkt schon rum. Das ist aber eine Tatsache, die zu einem großen Teil den ADC´s selber geschuldet ist, denn zum Leidwesen der Allgemeinheit sind diese Spieler meist für den Erfolg oder Misserfolg eines Spiels verantwortlich, auch wenn Jungler dem widersprechen würden. Aber die widersprechen ja so ziemlich allem, was nicht nach ihrer Vorstellung verläuft.


    Das wichtige ist ja: jedes Teammitglied ist gleich stark am Erfolg beteiligt, nur ADC´s sind noch mehr daran beteiligt als die anderen. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass ein guter ADC dein Spiel solo carrien kann, es ist ein bisschen ein Wechselspiel zwischen Rambo, der sich noch vor dem Spiel eine Line weißes Pulver in einem Zug gegönnt hat, und einem Star Wars-Sturmtruppler. Und wer es noch nicht getan hat, der reiße sich sofort alle Kleider vom Leib, ziehe eine Mönchskutte an, hänge sich 7 Rosenkränze und 1kg Weihrauch um den Hals und pilgere auf allen Vieren in eine spanische Bergkapelle in der Nähe der Nordküste und bete dort eine Woche lang unter Alkoholeinfluss und nach Konsum heimischer Meeresfrüchte dafür, dass es nicht der Sturmtruppler wird, weil diese Gesellen haben zwei sehr nervige Angewohnheiten. Die eine ist das von mir entdeckte und erforschte „Tyler1-Syndrom“, welches dafür sorgt, dass der ADC in eine Art negatives Wachkoma verfällt, denn anstatt gefühlt jedes Anzeichen von Leben einzustellen dreht der ADC hier auf 180 und beleidigt entweder das Spiel, die Mitspieler, das Leben i.A. oder eine freie Kombination dieser Punkte mit einer Wortwahl, welche selbst gestandene Seemänern in die Arbeitslosigkeit treiben würde, und mit einer Lautstärke, bei welchem sich selbst ein Krawumms die Ohren zuhalten würde. Das zweite große Problem ist mehr so eine Tatsachenfeststellung: ADC´s wollen nicht nur nicht von behind spielen, nein.

    Sie können es gar nicht. Diese Option existiert gar nicht in ihrem Horizont der möglichen Entscheidungen.

    Selbst mit 0/10/2 sehen ADC´s Playmöglichkeiten in Situationen, wo man selbst in der LEC dafür auf die Ersatzbank verdonnert werden würde. Gefolgt vom Kollaps des Vedi-verse. Selbst ein 0/10/2 ADC wird dir noch deinen Farm klauen, selbst wenn du der einzige bist, der das Spiel noch herumreißen könnte. Und natürlich wird er eine Minute danach „open bot“ im Allchat brüllen und dich aggro-flashen, denn du ihm das Cannon klaust (aber wir Midlaner sind das ja schon gewohnt), aber hey, keine Sorge, das nächste Game carriet deine ADC-Prodigy bestimmt, nur dann bist du halt auf der Gegnerseite ;)




    Der Support


    Tatsächlich fiel mir dieser Paragraph am schwersten, denn um über Supporter reden zu können, müsste man ihre Aktionen beobachten und diese dann auswerten. Leider ist es angeborenes Talent von Supportern, ihren Job zu machen und trotzdem dabei so nutzlos wie nur menschenmöglich auszusehen. Aber ich versuche es dennoch.

    Zunächst mal sind alles Supporter eins: pleite. Und zwar auch im realen Leben. Und nicht nur, was Geld angeht, sondern auch an jeglichem Lebenswillen. Irgendwo nachvollziehbar, denn ein Supporter ist gerne mal der Hauptengage des Teams und irgendwo braucht man ja für diese Engages eine gewisse Grundsuizidalität, sonst würden wieder die Instinkte einsetzen und die Eröffnung würde nicht stattfinden. Alternativ merkt man das aber auch an der faultierähnlichen Regungslosigkeit auf der Lane, aber im Endeffekt ist das ja nur wie bei der Krabbelgruppe: die kleinen Kinder-ADC´s versuchen, gefährlich zu wirken, während die Aufsichtspersonen, die Supporter, gemeinsam in der Raucherecke abhängen und sich gemeinsam die selbstgedrehten von den Junglern gönnen, die sie bei den Ganks als Werbegeschenk da lassen. Aber wie so immer hat das Leben einige Schicksalsschläge parat: mal muss man die Krabbelgruppe verlassen und kurz nach dem Rest der Truppe schauen, damit diese sich wieder nicht gegenseitig in mundgerechte Hackfleischbällchen zerhaut, mal werden Möchtegern-Laternenmasten aufgestellt, damit man nachts auf dem Nachhauseweg nicht von vermummten Gestalten überfallen wird und mal ist man einfach des Kindes überdrüssig und sehnt sich nach etwas Abwechslung im tristen Alltag.


    Und hier beginnt die Spannung: nicht nur die Wahl des neuen Partners ist von essentieller Bedeutung, man muss ja trotz dessen mal nach Hause kommen, um mal nach den Kindern zu schauen. Sieht dann meist aus wie das, was damals Karl Dönitz im Mai 1945 zum Regieren vorgelegt wurde, daher ist es nur allzu verständlich, dass man dem am liebsten sofort wieder entfliehen würde, aber dem Kind zuliebe tut man es nicht. Aber zurück zur Partnersuche, denn wie auch im realen Leben ist nicht jeder von dem plötzlichen Seitensprung angetan. Und wie auch im realen Leben geht diese Apathie meist von der potentiellen „Konkurrenz“ aus. Und wie auch im realen Leben hat diese Konkurrenz überhaupt kein Problem damit, ihr gebündeltes Aggressionspotential auf dich niedergehen zu lassen. Wie kannst du auch nur? Hast du jemals über die Konsequenzen nachgedacht? Was wirft das für ein Licht auf dich? Was denkt wohl dein Kind darüber, welches, während du dich hier mit einem anderen vergnügst, auf der Botlane-Schule bis an den Rand des Zusammenbruchs von den anderen Kindern gemobbt wird? Und warum tanzt du jede Woche mit einem anderen oder mit deinem Ex an? Ok, das wird jetzt etwas zu realitätsgetreu, zurück zum Thema:


    Supporter werden meist von drei Arten von Menschen gespielt. Die erste Art nenne ich die „Gruppenzwang“-Supporter, denn diese spielen nur Support, weil ihr Premade ADC spielen will und man sich doch irgendwie erbarmt, damit diese bemitleidenswerte Existenz nicht alleine auf der Lane den Verstand verliert und sich mit ihm in den Wahnsinn stürzt. Zu solchen Wesenheiten zählt auch meine Wenigkeit, aber macht euch keine Sorgen, meine geistige Gesundheit ist dennoch ein Scherbenhaufen (und wer aufmerksam mitgelesen hat, weiß sofort, welche Lane ich gerne bespiele). Typ Zwei sind die „UwU-Egirl“-Supporter. Ihr wisst schon. Diese ganzen ach so hübschen Mädchen aus dem Internet (von denen eh 80% oder so in Wahrheit männlich sind), die ohne zu fragen für jeden Mitspieler sofort auf die Knie gehen würden. An sich die richtige Motivation, Problem ist nur meist, dass diese Spieler einen Championpool haben, der sich an einer amputierten Hand abzählen lässt. Und dieser ist zu allem Überfluss auch noch meistens nicht in der Meta. Übrigens ein häufiger Irrtum: trotz der Bezeichnung gibt es durchaus männliche Spieler dieses Typs, sogar ohne die typischen Verhaltensmuster (looking at you, gelbes Fellvieh). Typ Drei ist komisch. Denn Typ Drei ist einfach nur durch. Dieser Spieler juckt gar nichts mehr, die spielen Support, weil sie es können. Die sind dann auch meistens die mit Abstand entspanntesten Mitspieler auf der Kluft. Aber wie so häufig kommt das nicht ohne Nachteile: Typ Drei hat kein Interesse am Sieg. Er will einfach spielen. Ach, und meistens ist das noch verbunden mit einer auffällig häufigen Tendenz zu „Trollpicks“.


    Gut, ich gebe zu, das alles klingt ja schon mal nach etwas besserem als eine chinesische Bambusfolter, doch tut sich mit zunehmender Wachsamkeit eine Dissonanz auf: der Supporter hält sich für nützlich und bereitet tatsächlich regelmäßig verschiedenste Dinge vor. Nur sein Team kann damit nichts anfangen und entsprechend ist der Support eben auch nur ein nutzloser Pausenkomiker, der statt auf Lanes im gegnerischen Jungle intet und sonst auch nur dem ADC den Farm klaut. Böse Verleumdungen? Ja ja, wartet nur ab. Denn wer solche Dinge behauptet, der hat es noch nie gesehen, wenn ein Supporter mal richtig sauer wird. Denn ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wie viele Tools ein Supporter hat, um sein Team zu trollen? Nein? Dafür habt ihr ja mich! Es beginnt ja schon bei so simplen Dingen wie die Heilung einzustellen (spart ja auch wertvolles Mana) und reicht bishin zu perfiden Dingen wie als Blitzcrank die 15/0 Fiora direkt neben den ADC zu hooken, keinen E draufzusetzen und dafür sofort wegzuflashen. Aber dadurch, dass der ADC ja grundsätzlich nie was falsch macht, ist es immer die Schuld des Supporters. Ist es auch sowieso, wenn man akut den Jungler nicht blamen kann. Meist wäre dann in der Flame-Reihenfolge erst der Midlaner dran, ich wage aber zu behaupten, dass hier kein Unterschied besteht, denn sowohl Support als auch Midlaner werden vom Team nicht ernst genommen, sind nur Babysitter für die „richtigen“ Mitspieler und haben auch sonst gefälligst über die Karte zu roamen und Kills zu stealen (letzteres optional, steigert aber den Unterhaltungswert der Partie überproportional). Der einzige Unterschied ist höchstens, dass sich Midlaner einbilden, ein „richtiger“ Mitspieler zu sein und zu allen Überfluss auch noch Schaden anrichten könnten. Und hier kommt wieder diese seltsame Familien-Synergie des Teams zusammen, denn irgendwie ist ja jede Rolle mit einem Familienmitglied vergleichbar (wie ihr es schon vielleicht weiter oben schon gemerkt habt), schauen wir uns dieses Modell zum Abschluss doch nochmal genauer, hier bezogen auf eine handelsübliche deutsche 5 Kopf-Familie:


    • Toplane: Der älteste Sohn. Bei ihm kickt schon die volle Ladung Hormone rein und ist demnach etwa so berechenbar wie eine Division durch Null. Will daher entsprechend immer, jedem und überall beweisen, was für ein geiler Hengst er doch ist.
    • Jungle: Der Vater der Familie. Zumindest biologisch, denn dieser hat er sich schon längst abgewandt und streift unentwegt durch die Bars und Clubs immer auf der Suche nach dem nächsten heißen Flittchen, mit dem er Unfug anstellen kann. Nicht selten mit Konsequenzen für den Rest der Familie, egal, welcher…
    • Midlane: Das klassische Mittelkind. An ihn werden keine Erwartungen gestellt und trotzdem sind alle sauer, wenn er´s verbockt. Leidet daher verständlicherweise an einer Vielzahl von Komplexen/Störungen, die selbstredend keiner ernst nimmt. Aber immer mit der Hoffnung, eines Tages mal nützlich zu sein und dann von der Familie akzeptiert zu werden.
    • ADC: Der jüngste in der Familie. Das Wunderkind. Er kann alles und für ihn wird alles stehen und liegen gelassen, denn glaubt mir, wenn er mal groß wird, wird er es allen zeigen! Bis dahin noch mit einem hohen Mangel an Empathie und Respekt anderen gegenüber unterwegs. Ebenso ein noch fehlendes Gefühl dafür, wo seine Grenzen sind… aber keine Sorge, die Familie regelt das schon und zieht den Karren aus dem Dreck!
    • Support: Die mit dem Leben überforderte Mutter der Familie. Wankt immer zwischen Pflichtergebenheit ihrer bisherigen Familie gegenüber und der Sehnsucht nach etwas frischer Aufregung in ihrem Leben.




    Vor dem Schlusswort nochmal den Absatz von ganz zu Beginn als Auffrischung:

    Das nachfolgende Werk ist stark von Ironie und Sarkasmus durchzogen und sollte auch mit diesem Wissen im Hinterkopf gelesen werden. Im übrigen möchte ich in keinster Art und Weise Drogen, Gewalt o.Ä. verharmlosen, verherrlichen oder dazu aufrufen und erst recht niemanden persönlich angreifen und/oder beleidigen. Wie schon gesagt: nehmt alles hier mit einer Prise Humor :)


    So, da wären wir nun am Ende meines Werkes. Ich danke jedem, der diesen literarischen Erguss meinerseits gelesen hat und dem auch nur irgendetwas abgewinnen konnte. Irgendwie hatte ich einfach Lust, mal was größeres über LoL zu schreiben, ohne dass es mal eins meiner berühmten Champion-Konzepte ist (Schleichwerbung was ist das?) und da ja LoL doch regelmäßig den Spieler an die Grenzen des Verstands bringt dachte ich mir mal, dass doch ein lockerer und unbeschwingter Ausflug in die Mechaniken des Spiels und/oder die Gedankenwelt seiner Spieler den Schreibaufwand/ die -herausforderung wert wäre. Werde ich nochmal so was machen? Weiß ich nicht, zumindest in näherer Zukunft nicht. Aber bis dahin wünsche ich euch allen eine frohe Zeit und viel Spaß beim Spielen von League of Legends.


    Ha ha, der war gut. Als wenn LoL noch Spaß machen würde…


    In diesem Sinne:

    Euer INoKami

    :happy:

    Leidenschaftlicher Galio-Main, inkonstanter Konzepte-Schreiber, grundsätzlich verplant, DotA2-Prophet und Teilzeit-Depressiver... sucht euch eins aus! :D


    "Der Wert einer Existenz wird nicht an ihrem potentiell möglichen Aufstrich gemessen." -Bernd das Brot

  • Bin definitiv ein Typ 3 Supporter. Bin zwar nicht gut aber gechilled und Trollpicks sind auch gern gesehen.


    Ich finde halt vor allem ADC und Support super gelungen und schließe mich bei deiner unterschwelligen Aussage im Toplane-Abschnitt an:

    (an der Stelle auch mal darüber nachdenken, wieso es immer der Nicht-Flash-Summoner ist und wieso Riot diese Meta selbst nach 12 Jahren nicht mal versuchen wollte zu ändern)

    Mit freundlichen Grüßen:

    Amycos Cyrus


    Content Manager des Unterforums "Champion- & Skinkonzepte"

    Moderator

    MVP (Es können leider nur zwei Ränge angezeigt werden.)

  • Wow, sogar offiziell vom OT (bzw. dessen Überresten) abgesegnet!

    Dann muss es mir wohl wirklich gelungen sein... :)

    :happy:

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    "Der Wert einer Existenz wird nicht an ihrem potentiell möglichen Aufstrich gemessen." -Bernd das Brot